Goran Galic/ Gian-Reto Gredig

Bosnia/ Switzerland
»Ma bice bolje«/ Skakaona84
Photographs (C-prints, various formats), text and video installations

»ma bice bolje« (wird schon wieder) – Im Gebrauch des Ausdrucks »ma bice bolje« widerspiegelte sich – angesichts des unmittelbar bevorstehenden Kriegsausbruchs – der Zweckoptimismus vieler Bosnier. Heute ist diese Phrase in Bosnien kaum mehr zu hören, es sei denn als zynische Bemerkung zur gemeinhin herrschenden Resignation. Der durch den Krieg ethnisch zutiefst gespaltenen Bevölkerung fehlt es seit dem Krieg an einem grundlegenden Konsens über die Zukunft des Landes. Die Meinungen über die geschichtliche Identität Bosniens und die Ursachen des Krieges gehen heute im Land weit auseinander. Auf der Suche nach den Gründen und Folgen der bosnischen Identitätsspaltung bereiste Goran Galic – bis vor kurzem Fotografie-Student an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich – seit 2001 wiederholt das Heimatland seiner Eltern. Ab 2002 begleitete Gian-Reto Gredig – Student der visuellen Anthropologie an der Universität Zürich – Galic mehrmals mit der Videokamera auf seinen Reisen durch Bosnien.
Galic verfolgte mittels Fotografie und Text eine objektive, dokumentarische Erfassung der Nachkriegssituation. Dazu sollten ihm gerade die beiden Medien dienen, deren Missbrauch viel zur Schaffung einer verzerrten, Angst und Hass schürenden Sichtweise der Realität beigetragen haben. Gredig beobachtete mit der Videokamera zu Beginn vor allem Galic beim Fotografieren. Ihn interessierte der Versuch Galics, mittels Fotografie den Ursachen und Auswirkungen des bosnischen Krieges auf die Spur zu
kommen. Daraus entstand allmählich ein breiteres Interesse an privaten und öffentlichen Formen der Erinnerung an den Krieg und immer stärker auch eine Zusammenarbeit zwischen Galic und Gredig, die z.B. in gemeinsam realisierten Interviews mündete.
Die Arbeit »ma bice bolje« hinterfragt die mediale Vermittelbarkeit von Realität, indem sie Fotografie, Text und Video zusammenführt. Die Arbeit will vermitteln, trägt aber gleichzeitig auch die Beliebigkeit der Konstruktionsweise dieser Vermittlung zur Schau. Die einzelnen Medien werden in ihrer jeweiligen Absolutheit durch die anderen Medien gebrochen, sie ziehen sich gegenseitig in Zweifel, bereichern sich aber auch. Die Filme z.B. machen den um Objektivität bemühten Fotografen selbst zum Objekt der Betrachtung und observieren ihn und seine Arbeitsweise. Die Wechselwirkung unter den einzelnen Medien fordert den Betrachter auf, sich im Prozess der Wissensbeschaffung durch das Verbinden von (bewegten) Bildern und Sprache selbst zu betätigen und dabei seine eigene Vorgehensweise und Beobachtungen zu hinterfragen.

CV Goran Galic (Fotografie/Texte)
Geboren in der Schweiz. Studierte an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich HGKZ. Erhielt 2005 den 1. Förderpreis der HGKZ für seine Arbeit »ma bice bolje / wird schon wieder«.

CV Gian-Reto Gredig (Filme zu »ma bice bolje«)
*1976 in Arosa, Schweiz. Abitur in Chur. Student der Ethnologie mit Vertiefung in visueller Anthropologie in Zürich. Seit 2002 mehrere Reisen nach Bosnien und Herzegowina und Arbeit an der fi lmischen Magisterarbeit mit dem Arbeitstitel »Postwar-photographer«, ein Dokumentarfi lm über die fotografi sche Arbeit Goran Galics und private und öffentliche Erinnerungen an den Krieg in Bosnien. Mehrere Ausstellungen mit Goran

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