Love Story

In der Nacht hinter meinem Schädel spielen

der gelbe Clown und

seine bärtige Frau Schach. Every move – a love story. Here’s one:

Ich mag es, meine langsam gekauten Nägeln in ihrem Schoss zu sammeln. Wenn sie nachts nackt hinter den braunen Gläsern steht – ich schreibe. In Dunkelheit, auf Umschlägen, Zeitschriftenrändern, Rezepten, entwerteten Fahrkarten, nein, die Bettwäsche noch nicht wie Veronika – ich schreibe. Meine Schlaflosigkeit bohrend – ich schreibe. Schreiben, be-schreiben. Was dabei rauskommt ist ihr Bild. Niemals sie. Immer fettige, dichtflüssige telenovellas.

Sie wälzte sich unter meinen Sachen. Versunken. Unter meinen Alltagsklammotten. Der nach Minze riechende Schleim, der an allen Seiten klebte, war ihr scheißegal. Glänzend plätscherte sie in triple protection. Das Auge. Leer. Blaue-elastische Augenbrauen. Wer hat ihr den Weg gezeigt? Who did it?

Ah, sie war…sie war…

Das galgengrau konturierte Auge, mit seiner fehlenden Iris, der krumme Arm wie eine grisineförmigen Viertelacht, durch die Luft schwebend, als ob er auf der Stelle…

……..die salzige Kälte aus meinen Fingern…und tic-tac tic-tac der Sekundenzeiger springt noch auf 10, während ich sie nicht in Worte oder Bilder fassen kann…

Die Ruhe (Silentium würde hier besser passen)/klebrig, erfrischend wie hysterisches Weinen, herb, unruhig, die Ruhe die uns unter dem Krankenhauslicht der Neonlampen zickte und schon wieder der Blick, ihr Blick /ein verzweifeltes Sirenenschreien.

Als ob alle Liebeklischees in unserer Love-story verschmolzen. Wir waren pathetisch. Es war selbstverständlich Liebe auf den ersten Blick.

Kaffee gießen. Zucker. Ja, eins. Milch. Ein wenig. 1,5 Fett. Geräuschlos. Ich habe mich in ihre Geräuschlosigkeit verliebt. Auf die Worte warten. Eine Nonnentelenovelle. Ja, sie war wie alle anderen. Nichts besonders…

Ja, weißt du, ich hab’ mir gedacht, …eines Tages nehme ich sie mit und wir kommen nie zurück. Niemand wird sie sowieso vermissen. Und wenn euch jemand sieht? Es ist eher peinlich als gefährlich. Einfach fragen ob…? Nee, hat jemand das je gemacht? Hast du je solche Kurven gesehen?


picture by Stephanie Endter

Ich frage mich, was sie an mir findet. Vielleicht wurde sie dazu gezwungen von…

Ich könnte dir unendliche Seiten erzählen, verstehst du? Willst du es verstehen?

Bald wird sie mich verlassen. Nein, ich bin kein Vanillepudding. Auch kein Redbull. Ich weiß nur, dass, irgendwann…morgens früh…jemand…halb betäubt, wird sie, verdammte Scheiße, einfach so…schlampig…auf den kalten Fliesen … Und nur der Gedanke, dass jemand anderes, ein an-der-er sie anmachen würde, ein Dummkopf, der keine Ahnung hat was dieser Blick bedeuten könnte, der Blick, das Auge, das Auge 100 Mal < das Auge > geschrieben, damit ich genug kriege, damit ich von ihr los komme, damit ich weiß, dass es viel zu viel ist.

Ich kann ohne diesen Blick nicht einschlucken…

…ein Scheißkerl, der ihren leicht gebeugten Arm nicht richtig berührt …als ob sie fil fil fil fil fliegen würde. Nur nach unten.

Ich würde sie so gerne auf der Stelle gegen die Wand schmeißen und ich würde Porzellantropfen auf mich regnen lassen.

Ich hab diese Obsession für eine Optimediakanne…lächerlich, ha?

Was ich von ihr erzählen kann, ist alles Schrott, künstlich, fast-food, Marilyn Monroe in einer McDrive Ecke. Rosa Worte mit Schleife und englischem Regenmantel. Geschmacklos, Worte , die aus dem Rachen kriechen.

Die Neonlampe ist da. Der Regen auch. Ich warte. Der rote stand-by Knopf des Fernsehers guckt mich an. Ich warte auf das geniale Kotzen. Tut mir leid. Keine Geschichte heute.

Meine schneckenartig zerquetschten Lippen, wenn ich ihren glasigen Geschmack…meine Zähne auf dem glatten Rand…das Kratzen ihres Teints…

Wir haben uns besoffen wie old maids auf der Hochzeit einer anderen. Unsere Bäuche hingen wie Gelatineweinachtskugeln. Wir lallten, kotzten, wir haben alles vergessen. Sie auch.

Wie konntest du, Novak? Nach alldem was…mich einfach so…du bist…

Where were you when I was burned and broken….. So höre ich sie nachmittags zwischen 4 und 5, young and restless, die perfekte Symbiose zwischen Frau Besenstiel und Loreley.

Ich hab’ meine zottige Mähne geschnitten, hab’ mich selbst im Spiegeln und Vitrinen verflucht, hab’ mir ins Gesicht gespuckt, meine Brusthaare mit heißem Wachs entfernt. All das Übliche…

Sinnlos.

Ihre unperfekte alogische Kontur auf meinen Unterarm malen, mit dem Atlas made in China Kugelschreiber, bitte geben Sie mir einen Kugelschreiber, ja, den billigsten, im Personenzug, der 3-te Stuhl rechts, ja mit dem Rücken zur Lokomotive, ja das war der einzige Beweis meiner Liebe, Sehnsucht, Leidenschaft, Altruismus, Respekt, Ausopferung, Sühne….usw. , den ich ihr zeigen konnte.

Ja, sie für immer und ewig (übrigens die abscheulichste Wortkombination, die es gibt) in meine Haut schnitzen, grünes T-Shirt, 25-Stunden altes Schwitzen, mit dem Zug, immer ta ga dam ta ga dam, mit 40 werde ich schon tot sein, non Stopp protection, speed stick, und die Zahnbürste im Bahnhofklo.

Ich öffne den Rucksack, ehemalige Bluejeans Hosenbein jetzt fancy geworden, Klopapier, Unterwäsche, Sockenkugel, der schwarze Wecker, Schocko und einen blau-durchsichtigen Ball, laues Mineralwasser, das Ford-Spielzeug – übertrifft dich selbst wie Silvie immer sagte -, Djaka das Happy Meal Kangourou und Kolja die Schildkröte von meinem Cousin Miha. Kein Kugelschreiber. Eine zerquetschte Zahnpastatube.

Sie war da. Always on top. Sie hatte noch 30 tausend lei, weiße Socken mit blauen Streifen und einen schlüssellosen Anhänger.

Heute, nach 2 Jahren ist sie immer noch da. Nur leer und etwa zu weiß.

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