Thymian

Ein Mann in der Wohnung für zwei. Die Zahnbürsten vor dem Spiegel:
zwei. Auf dem gemachten Bett, die Kissen: zwei. Ein extra Raum hinten,
wartend. Das Küchenfenster öffnen. Hinunterschauen in den Hof. Die
Mülltonnen und der kleine Spielplatz. Das Klettergerüst rot. Gestrichen
vor wenigen Wochen. Und der dunkel gelbe Sand. Kein Kind am Abend. Tief
einatmen. Die Herbstluft in den Lungen, Kälte ankündigend. Wieder zu
Hause! Das Nudelsieb aus Edelstahl über der Expressomaschiene. Die
Reisetasche auf der Tischplatte aus dunklem Holz, fremd. Der Stadtplan
von Prag und der frische Kümmel nicht von hier. An der Wand das Bild
aus Süd Frankreich. Neben der Käsereibe das Regal mit den Gewürzen.

Er geht drei Schritte. Der Duft der Gewürze ganz nahe. Den getrockneten
Thymian nehmen. Kein Denken. Der Deckel gibt nach. Das Glas jetzt ganz
weit offen. Drei Schritte zurück als einen. Und der Thymian, rieselnd
den Hof erfüllend. Der Spielplatz im Schnee. Oder ein Regen von Asche.
Tiefer Atmen denn je.
Die bekannten Schritte im Treppenhaus. Der Schlüssel in der Tür. Na
Liebling, gute Geschäfte gemacht in Prag? Kuss. Die Einkaufstaschen
nahe dem Stadtplan auf dem Tisch. Wie war die Reise? Lamm gekauft,
natürlich für uns. Hunger? Die Küche warm, wenn sie da ist. Sie heiter,
sprechend. Er mit dem Blick auf die Leere zwischen Basilikum und
Majoran. Ihre Worte ein warmer Strom. Und alles in bester Ordnung.

Wir
wissen wo wir hingehören. Sich sicher sein bei ihr, treiben lassen
alles. Mutters Brettchen und Zwiebeln schneiden für das Lamm. Sie, die
den Ofen vorwärmt und das Mahl bereitet. Sie, die ihm die Olive in den
Mund und der weiche Kuss hinterher. Treibengelassen im Seichten, er.
Was war sinkt auf einen weit entfernten Grund. Musik. Natürlich hat sie
die Taste gefunden. Und dies und das im Büro. Und die Eltern am
Wochenende und natürlich – der Spielplatz so nahe…
Schatz, wo ist denn der Thymian?
Er öffnet die Augen erneut. Sie vor der Leere zwischen Basilikum und
Majoran. Die Kälte des leeren Flussbettes. Klettergerüst. Getrockneter
Thymian auf rotem Eisen. "Sabine. Es tut mir leid. Ich liebe Zdenka."

A man in a flat for two. In front of the bathroom mirror,
two toothbrushes. The pillows on the bed: two. One extra room in the
back, waiting. Opening the kitchen window. Looking down the court. The
trash cans and the small playground: the climbing-pole, painted red
just a few weeks ago. And the dark-yellow sand. Not a single child in
the evening. Breathing in. The air of autumn betrays the cold to come.
Back home! A noodle-sieve made out of steel next to the espresso
machine. A travelling bag on the wooden dinning table. A map of the
city of Prague and a jar of fresh caraway. On the wall a picture of the
South of France. Next to an Italian cheese grater, the dried spices on
the shelf.

He takes three steps forward. Eye to eye with more than
twenty scents. Taking the thyme. Without thinking. The glass opens
easily. Everything possible. Taking three steps back in one. And the
thyme purling down the court. The playground in the snow. Or a rain of
ashes. Breathing deeper than ever. Familiar footsteps heard in the
hallway. The door. Well honey, did you make a good deal in Prague?
Kiss. Shopping bags near the map on the table. How was the trip? Bought
some lamb. Hungry? Of course, for us. A warm kitchen, when she is in.
Her, talking. He, with the eye between marjoram and basil. Her stream
of words. And everything in perfect order.

We know where we belong. Her
presence – his security. Mother’s chopping board. Cutting the onions
for the lamb. She, who heats the oven. She, who cooks the meal. She,
who puts the olive in his mouth and kisses him warmly. What has been,
is now sinking to the dark, distant ground. Music, of course. And this
and that in the office. And the parents on the weekend and surely, the
playground so close. Honey, have you seen the thyme? He opens his eyes
again. She between marjoram and basil. The coldness of a dried-out
river bed. Dried thyme on the red iron climbing-pole. "Sabine, I’m
sorry. I love Zdenka."

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